
Foto von Jay Miller auf Unsplash (mit Dithering bearbeitet)
Ein Handy ohne Ablenkung, das einfach nur wie ein Werkzeug benutzt wird und anschließend wieder in der Tasche verschwindet – das war für manche von uns schon mit dem Tastenhandy nicht einfach. Die heutigen Smartphones und viele ihrer Apps sind so designed, dass sie so viel unserer Zeit wie möglich beanspruchen. Diese Zeit wollen wir jedoch nicht mehr hergeben! Dazu kann es hilfreich sein, zu unterscheiden, welche Apps nicht unbedingt notwendig und gleichzeitig süchtigmachend sind und welche relativ harmlos. In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie ich die Spreu vom Weizen trenne.
Was sind “schlechte” Apps?
Natürlich ist es schwer zu beurteilen, ob eine App nur gut oder schlecht ist. Während es Menschen gibt, die es schaffen, in 5 Minuten einen Instagram-Post zu erstellen und danach wieder offline gehen, gibt es andere, die selbst noch in einem leeren Telefonbuch scrollen würden (Hol dir dringend psychologische Hilfe, wenn du dich hier wieder-erkennst!). Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Instagram-App bei dir deutlich mehr deiner Zeit beansprucht als deine Kontakte-App. Auf diese Wahrscheinlichkeit beziehe ich mich, wenn ich von guten oder schlechten Apps rede: Wie viel deiner Zeit beanspruchen sie und möchtest du das?
Das Ampel-Schema
Für eine grobe Einordnung finde ich es hilfreich, alle Apps in ein Ampel-Schema einzuordnen. Wobei rot potentiell zeit- und energieraubende Apps und grün relativ harmlose Apps sind.
| Ampelfarbe | Suchtpotential | Merkmal |
|---|---|---|
| Rot | hoch - sehr hoch | algorhythmusgesteuerte Inhalte mit endlosen Feeds. Es gibt ewig neue Inhalte. |
| Gelb | mittel - hoch | Erwartung von Neuem macht lässt uns immer wieder zum Handy greifen. Sie fesselt uns aber nicht so an das Gerät, wie die roten Apps |
| Grün | niedrig - mittel | geringes Suchtpotential, da es nichts Neues zu entdecken gibt |
Rote Apps
Unter Rot fallen alle Apps, die algorhytmusgesteuerte Inhalte anbieten. Darunter fallen viele Soziale Medien, Spiele, Streaming-Plattformen, aber auch der Web-Browser und alle Apps mit In-App-Browser, da über diese auch Websites der roten Kategorie aufgerufen werden können.
Beispiele:
- X/Twitter
- TikTok
- Youtube
- Substack
- Spiele
- Pornographie
- Netflix
- Chrome
- Telegram*
Da die Notwendigkeit vieler dieser Apps relativ gering ist und das Suchtpotential hoch, rate ich dir, diese Apps zu vermeiden. Die meisten der Firmen, die diese Apps produzieren, haben eigene Abteilungen, die sich damit beschäftigen, unsere Psyche so zu beeinflussen, dass wir so viel Zeit wie möglich mit dem Konsumieren ihrer Produkte verbringen, wie zum Beispiel durch den Ex-Google-Whistleblower Tristan Harris bekannt wurde. Der Web-Browser ist kritisch, da natürlich über ihn sämtliche Plattformen auch ohne App erreichbar sind. Vielleicht sagst du jetzt: “Aber ich bilde mich mit diesen Apps!” oder “Nur so bleibe ich im Kontakt oder auf dem Laufenden”. Dann solltest du dich fragen, welchen Preis du dafür zahlst und ob er es wert ist.
*Telegram hat einen In-App-Browser und ist somit mehr als nur ein Messenger. Als ablenkungsfreie Alternative empfehle ich den Cloudveil-Messenger, der mit Telegram kompatibel ist, aber sowohl den In-App-Browser als auch andere Social-Network-Features gesperrt hat.
Gelbe Apps
Gelb sind Apps mit dynamischen Inhalten, die aber keine endlosen, algorythmusgenerierten Feeds produzieren. Also Apps, die zwar ungewisse, neue Inhalte präsentieren, der sich aber im Laufe des Tages kaum verändert.
Beispiele:
- Mastodon/Pixelfed (sind aber schon eher orange)
- Podcast-Apps
- Tidal/Spotify/Deezer
- Signal
- Wetter
- Feed-Reader
Bei diesen Apps solltest du auf jeden Fall das “Kosten-Nutzen-Verhältnis” abwägen. Ist es wirklich wichtig für dich, deine E-Mails auf dem Handy zu lesen oder willst du eigentlich unterwegs auch mal Ruhe von ihnen haben? Ich empfehle dir, so wenig wie möglich von diesen Apps zu benutzen und sie gegebenenfalls wieder neu zu installieren, wenn du sie meinst, sie wirklich unbedingt zu brauchen. [Sucht erklären]
Grüne Apps
Grün sind Apps mit eher statischen Inhalten. Also Apps, bei denen du schon weißt, was du sehen wirst, bevor du sie aufrufst. Diese haben das niedrigste Suchtpotential.
Beispiele:
- Kamera
- Galerie
- Maps
- Notizen
- Gitarrentuner
- öffentliche Verkehrsmittel Apps
- Telefon ;)
- Taschenrechner
Da beim Öffnen dieser Apps kaum Dopamin ausgeschüttet wird, sind sie relativ sicher. Apps in der grünen Kategorie sind in der Regel auch die “Werkzeuge”, mit denen wir – abgesehen von den Messengern – das Smartphone überhaupt rechtfertigen.
Das ablenkungsfreie Smartphone
Es gibt eine Studie aus dem Jahr 2014, die zeigt, dass allein ein Smartphone, das mit dem Display nach unten, lautlos auf einem Tisch liegt, unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht und unsere Empathie herabsetzt. Ein Smartphone, das uns überhaupt nicht ablenkt, ist aus meiner Sicht eine Illusion. Wer dennoch nicht auf die Vorteile dieses kleinen Gerätes verzichten möchte, kann es sich so gestalten, dass es so wenig Aufmerksamkeit und Zeit wie möglich in Anspruch nimmt.
Wenn du dir eine Liste mit deinen absolut notwendigen Apps gemacht hast, kannst du alles andere deinstallieren. Oft ist das jedoch leider nicht ohne weiteres möglich. Zum Beispiel kann der Web-Browser auf vielen Modellen nicht einfach deinstalliert werden. Außerdem könnte es sein, dass du in einem schwachen Moment einfach wieder die Apps aus der roten Kategorie installierst. Für solche Fälle gibt es nahezu unumgängliche Apps wie Andoff, die unliebsame Apps sperren und es deutlich erschweren, dass du einfach wieder neue Apps installierst. Es ist etwas Arbeit, das alles einzurichten, aber ich kann dir sagen, dass es sich für mich sehr gelohnt hat.
Falls du Unterstützung beim Einrichten eines solchen minimalistischen Smartphones brauchst, stehe ich dir gerne mit Rat und Tat zur Seite.